Warum nicht Lavendel und Ringelblumen ?

Gärten des Grauens - Tonnenweise Steine im Vorgarten sollten nicht sein. Erste Kommunen beschließen Satzung

Belebtes Grün statt Steinwüsten

Geschmäcker sind ja zum Glück verschieden. Das Grauen jedoch lauert in diesen "Gärten" genannten Außenbereichen, weil sie Insekten und Kleinlebewesen den Garaus machen, weil Blühpflanzen in ihnen nicht gedeihen können, weil sie die Hitzebildung in Sommern wie dem vergangenen befördern und bei Regen Oberflächenwasser schlecht versickern lassen. Kurz: Sie gefährden die Biodiversität in unseren Siedlungsgebieten, und zwar in den Städten und auf dem Land gleichermaßen. Überdies verändern sie das Gesicht bebauter Gebiete. Baukultur, wie wir Grüne sie auf allen Entscheidungsebenen anstreben, hat aber eben auch zum Ziel, Auswirkungen des Klimawandels zu begegnen und neben architektonischen, sozialen, wirtschaftlichen oder kulturellen Aspekten auch ökologische Belange zu berücksichtigen.

Da eine Satzung zum Verbot solcher sonderbaren "Gärten"  (die den Namen echt nicht verdienen) ist nicht möglich. Doch die Verwaltung war offen für das Thema.
Nunmehr wird in neuen Bebauungsplänen der Umgang mit Freiflächen eindeutig geregelt.

Grundsätzlich gibt es folgende Vorschriften zum Umgang mit Flächen:

  1. Der Grundsatzparagraf §1a BauGB schreibt vor, dass das Maß der Bodenversiegelung auf das Notwendige zu begrenzen ist.
  2. In Bayern gilt der Art. 7 BayBauO:  nicht überbaute Flächen von bebauten Grundstücken zu begrünen oder zu bepflanzen sind.

Was jetzt aber konkret in Heilbronn zur Anwendung kommt, ist § 9 Abs. 1 Nr. 20 BauGB.
Danach können im Bebauungsplan aus städtebaulichen Gründen festgelegt werden "die Flächen oder Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Boden, Natur und Landschaft". In unseren Bebauungsplänen heißt es jetzt deshalb:

"Außerdem wird festgesetzt, dass die nicht baulich genutzten Freiflächen der Baugrundstücke auch als unversiegelte Vegetationsflächen gärtnerisch anzulegen sind. Kies-, Schotter und ähnliche Materialschüttungen ggf. in Kombination mit darunterliegenden wasserdichten und nicht durchwurzelbaren Folien sind hierfür unzulässig. Teichfolien können nur bei der Anlage von permanent wassergefüllten Gartenteichen zugelassen werden."

Dies ist ein wichtiger Erfolg um weiterhin lebenswerte Bedingungen in Stadt und Land zu erhalten beziehungsweise zu schaffen. Und zwar für Menschen, Tiere und Pflanzen.

Wesentlich ist, dass Gemeinderät*innen sensibilisiert sind und die Thematik auf die Agenda bringen. Ich meine damit nicht nur den verwaltungstechnischen Vorgang. Es geht vor allem auch darum, die Menschen, mit denen wir täglich zu tun haben, für wirkliche Garten-Alternativen zu gewinnen. Wenn unsere Familien, Nachbar*innen, Freund*innen oder Kolleg*innen lernen, grüne Alternativen zu lieben und wertzuschätzen, werden wir auch in den Räten erreichen, dass unsere Kommunen das Anliegen unterstützen – nicht gegen Steinerne Gärten, sondern für die belebte Natur, auch in unserer oft dicht bebauten Umgebung. Ein schönes Beispiel, wie die Akzeptanz dafür steigt, liefern die Gemeinden, in denen mit Hilfe des Programms NaturNahDran Grünflächen im öffentlichen Raum artenschutzgerecht gestaltet werden. Das habe ich in diesem Sommer in meinem Betreuungswahlkreis in Offenau erlebt, wo sich Bauhofmitarbeiter für die Idee begeistern und Fürsprecher für Artenvielfalt geworden sind. Was für ein schönes Vorbild, das Nachahmer*innen im Privaten finden kann. Ich werbe dafür, dass wir Grünen Kommunali über unsere Vorstellung von sinnvoller, der Biodiversität dienlicher Gestaltung von Freiflächen sprechen. Das ist Überzeugungsarbeit im besten Sinne, damit es uns nicht mehr graut vor dem, was alles Garten heißt.  (leicht geändert)
Autorin: Susanne Bay MdL

In Bayern gilt die Bayerischen BauOrdnung:
(Leider wenden die örtlichen Behörden diesen nicht an und kontrollieren die Gärten, sondern sehen dezent weg)

Art. 7 Nicht überbaute Flächen der bebauten Grundstücke; Kinderspielplätze

(1) 1Die nicht mit Gebäuden oder vergleichbaren baulichen Anlagen überbauten Flächen der bebauten Grundstücke sind

1. wasseraufnahmefähig zu belassen oder herzustellen und
2. zu begrünen oder zu bepflanzen,

soweit dem nicht die Erfordernisse einer anderen zulässigen Verwendung der Flächen entgegenstehen. 2Satz 1 findet keine Anwendung, soweit Bebauungspläne oder andere Satzungen Festsetzungen zu den nicht überbauten Flächen treffen.

 
und die Bayerische BauOrdnung sagt im Art. 81 Örtliche Bauvorschriften:
Die Gemeinden können durch Satzung im eigenen Wirkungskreis örtliche Bauvorschriften erlassen

1. über besondere Anforderungen an die äußere Gestaltung baulicher Anlagen zur Erhaltung und Gestaltung von Ortsbildern, insbesondere die Begrünung von Dächern, ...

 

Wichtig:  Begründungen von Anträgen (bitte einloggen) HIER


Erste Beschlüsse gibt es bereits in:

Heilbronn, 2018, Presse,
Steinhagen (NRW), einstimmig, Nov 2018
Lemgo
Halle (NO Westfalen), 2018, in Neubaugebieten
Bottrop überlegt
Xanten

Alternativen und Hintergrund aufzeigen und bewerben:
- Pflanzliste für blühende Gehölze, Stauden und Blumen, je nach Standort
- Liste der verträglicheren Mulchmaterialien
- Vorgärten an Nachbarn oder Gartenfreunde zum Pflegen abgeben
- Aufruf: Nachbarn helfen Nachbarn beim Gartenpflegen